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Datenklo besetzt – Fast drei Jahrzehnte CCC

Wau Holland beim "Telefonieren"

Wau Holland beim "Telefonieren"

Vor fast genau 29 Jahren gründete sich in Berlin der Chaos Computer Club. Anfangs ein Haufen verwegener Hunde die sich von der ersten Stunde an, den aufkommenden Datennetzen in der BRD und dem sich verbreitenden Datenleitungen rund um den Erdball widmen.

Die Geschichte der Gründung klingt genauso fantastisch wie alle folgenden Etappen in der Clubgeschichte. Am 12. September 1981 fanden sich am alten Tisch der Kommune 1 in der TAZ Redaktion die ersten begeisterten Technikfans ein. Unter ihnen Wau Holland, der ab 1983 auch Kolumnen in der TAZ schrieb. Holland galt Zeit seines Lebens als Punk der Hacker Szene. Begründen tut sich diese Behauptung weniger an einer No Future Haltung, als an der typisch für einen Hacker zu beobachtenden queren Denkweise, Probleme auf sehr unkonventionelle Art zu lösen.

Schnell machte der Club von sich reden, erstmals 1984 mit der hauseigenen Clubzeitung, der Datenschleuder und der Hackerbibel, in welcher eine Bauanleitung für ein selbstgebautes Modem erschien, dem sogenannten Datenklo. Dieses war ein nicht von der damaligen Bundespost zugelassen und ermöglichte auch mit relativ wenigen finanziellen Mitteln, am Datennetz der damaligen Zeit teilnehmen zu können.

Richtig los ging es mit dem sogenannten „BTX-Hack“. Die Bundespost behauptete ein sicheres System geschaffen zu haben. Durch einen Fehler war es jedoch möglich an Zugangsdaten zu kommen, so auch von der Hamburger Sparkasse. In kürzester Zeit erschuf der CCC eine kostenpflichtige Seite, welche unter dem Account HASPA aufgerufen wurde. Innerhalb einer Nacht wechselten 135.000 Euro den Besitzer. Wie die Hackerethik es vorlebt, wurden nach Veröffentlichung der Sicherheitslücke die erstmals digital geraubte Beute natürlich zurückgegeben. Nach dem ersten öffentlichen Hack wuchs das Interesse an mehr Wissen. Der CCC erkannte den Durst und veranstaltete den ersten Chaos Communication Congress in Hamburg. Hier konnten gleichgesinnte ihr Wissen tauschen und weitergeben, auch heute noch einer der Grundpfeiler der Szene. Wissen ist frei und soll auch ohne kommerzielle Hintergedanken frei fliessen können. Schon am Anfang der Geschichte des Clubs, stand diesem Gedanken der Staat und die Industrie als schärfster Feind dem gegenüber.

Die Liste von aufsehnerregenen Hacks lässt sich unendlich weiter führen. Genannt seien hier der NASA und KGB Hack, genauso wie der GSM-Hack. Der schmale Grad zwischen freier Information und dem aktiven Anlegen mit Industrie und Geheimdiensten, scheint auch seine Opfer gefunden zu haben. Hier beginnt eine Art Mysterium, denn zwei Hacker des Clubs fanden unter ungeklärten Umständen ihren Tod. Der Hacker Karl Koch, und auch der Hacker Tron starben jeweils auf Wegen, die einige aus dem Club als Intervention von Geheimdiensten interpretierten. Fest steht, dass Sicherheitslücken die zum Wohl der Allgemeinheit aufgedeckt werden, den mächtigen hohe Kosten verursachen.

Der Club dezentralisierte sich nach der Wende in einzelne InteressentInnen-Kreise. Im Club liebevoll ErFa-Kreise genannt. Die Erfahrungs-Austausch Kreise. Diese bilden die regionale Vertretung vor Ort. Auch hier gilt, gemeinsam nach Lösungen suchen und das Wissen gegenseitig teilen. Einen weiteren Kreis bilden die sogenannten Haecksen im CCC. Ein Teil der weiblichen MitgliederInnen schloss sich zusammen um zu zeigen das auch Frauen ganz selbstverständlich kreativ mit Technik umgehen können. Ziel ist es die immer noch vorherrschende Meinung, Frauen seien im Technik Bereich weniger affin zu revidieren.

Die Zeit verging, fast 30 Jahre sind inzwischen vergangen. Gerade in den letzten vier Jahren hat der Club eine öffentliche Wandlung erlebt. Immer stärker mischt sich der CCC in politische Debatten ein, um den voranschreitenden versuchen von Netzzensur und die immer stärkeren Bemühungen der Bundesregierung die Informationsfreiheit einzuschränken, etwas entgegensetzen zu können. Aber auch das Hauptfach des Clubs kann ihm mit sehr gut bescheinigt werden. In den letzten Jahren machte der Club mit dem einfachen Beispiel des fälschen von Fingerabdrücken genauso auf sich aufmerksam, wie vor ein paar Wochen mit dem eindeutigen Beweis, dass der Millionenschwere neue Personalausweis bereits jetzt Lücken beinhaltet.

Das Interesse am Club und den Aktivitäten ist ungebrochen. In diesem Jahr kündigte der CCC an, erstmals die Eintrittskarten für den immer noch stattfindenen Chaos Communication Congress mittels einem Vorverkauf zu begrenzen. Im letzten Jahr besuchten über 6000 BescherInnen den Kongress in Berlin. Und auch im Jahr 2011 steht wieder ein Großereignis vor der Tür, wieder einmal findet das größte Open Air Meeting der Hacker Szene statt, das Chaos Communication Camp. Tausende Hacker aus aller Welt werden sich vor den Toren von Berlin versammeln um unter freiem Himmel zu Hacken, zu lernen und zu feiern. Eins hat sich jedoch geändert: Das Datenklo ist kein Akustikkoppler mehr, sondern ein Dixiklo was kurzerhand zum Netzwerkknoten geworden ist. Und es gehört auch zum CCC, wenn er in der Datenschleuder darauf hinweisen muss, dass er das Urinieren in die Datenklos nicht lustig findet.

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